Die Kinderorthopädie

Dr. med.
Nicola Ihme

Liebe Eltern,
liebe Kinder,

Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“ und haben bedingt durch ihr Verhalten und ihre noch bestehende Entwicklung eine spezielle Behandlung nötig, die in vielen Fällen ganzheitlich ist und die Zusammenarbeit der Familie mit Arzt und anderen Bereichen der Medizin erfordert.

Dieses berücksichtigt die Kinderorthopädie: Sie ist ein hoch spezialisierter Bereich der Orthopädie und befasst sich mit der Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates bei Kindern und Jugendlichen. Der wesentliche Unterschied in der Behandlung dieser Patienten liegt darin, dass das noch bestehende Wachstum eine Möglichkeit bietet, auch ohne Operation (z.B. durch spezielle Bewegungsübungen, Einlagen oder korrigierende Schienen) die Krankheit zu heilen oder zumindest zu einem günstigen Ergebnis zu führen. So ist eine frühzeitige Erkennung und Behandlung einer orthopädischen Erkrankung oder Fehlstellung bei Kindern sehr wichtig, da sie das ganze Leben des Patienten positiv beeinflussen kann.

Ein Kinderorthopäde, der um sich so nennen zu dürfen, nach seiner Ausbildung zum Orthopäden eine spezielle, mehrjährige Zusatzausbildung mit Prüfung vor der Ärztekammer absolvieren muss, erkennt, beurteilt und behandelt angeborene Fehlbildungen (z.B. überzählige Zehen), Wachstumsstörungen (z.B. Beinlängenunterschiede oder Achsfehlstellungen der Beine und der Wirbelsäule) sowie erworbenen Erkrankungen und Verletzungen der Stütz- und Bewegungsorgane. Er kann aber auch in hohem Maß vorbeugend tätig sein. Beispielhaft sei hier die Ultraschalluntersuchung der Hüfte im frühesten Säuglingsalter genannt, die durchgeführt wird, um die Anlage (= Hüftdysplasie) für eine spätere Hüftverrenkung (Hüftluxation) frühzeitig zu erkennen und durch eine meist einfache Therapie wie Breitwickeln oder durch eine Spreizhose zu Ausheilung zu bringen.
Darüber hinaus entscheidet er, ob und wann möglicherweise eine sonstige Therapie, ggf. auch eine Operation notwendig ist, und welche Auffälligkeiten sich im Laufe der Entwicklung durch das noch bestehende Wachstum selbst korrigieren können. Um dieses alles jedoch zu entscheiden zu können, ist meist eine Beobachtung und ggf. begleitende, nichtoperative Therapie über einen größeren Zeitraum notwendig, da die sich z.B. die gleiche Fehlstellung bei verschiedenen Kindern ganz anders verhalten kann. Wachstum bedeutet also Chance auf Verbesserung!

Die Schwerpunkte in der Kinderorthopädie sind die Erkennung und Behandlung von Fußfehlstellungen (z.B. Knick-Senk- oder Plattfüße, Klumpfüße), Erkrankungen des Hüftgelenks (Hüftdysplasien und -luxationen, Hüftschnupfen, Epiphysiolysis capitis femoris, Morbus Perthes,) sowie die der Wirbelsäule (z.B. Haltungsauffälligkeiten und Wirbelsäulenverkrümmungen = Skoliose). Aber auch alle anderen Auffälligkeiten am Bewegungsapparat wie Beinlängenunterschiede, Bewegungsauffälligkeiten oder neurologisch bedingte Störungen (z.B. spastischer Spitzfuß) sind das Aufgabengebiet des Kinderorthopäden. Auch sind Größenprognosen anhand eines speziellen Computerprogramms mit Hilfe einer Röntgenaufnahme der linken Hand möglich.
In der Kinderorthopädie hat die konservative, d.h. nichtoperative Therapie einen sehr hohen Stellenwert: spezielle Krankengymnastik (z.B. nach Vojta oder Bobath) ist dabei ein wichtiges Instrument ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit spezialisierten Orthopädietechnikern, die z.B. Einlagen, Schienen und Korsetts passgenau herstellen und an die Bedürfnisse des einzelnen Patienten anpassen.

In der Praxisklinik untersuchen wir Kinder jeden Alters, die von niedergelassenen Kinderärzten oder Orthopäden zu uns überwiesen werden oder aber auch direkt auf Initiative der Eltern zu uns kommen. Wir möchten hierzu jedoch bitten, einen Termin unter u.g. Telefonnummer zu vereinbaren und eventuell vorhandene Unterlagen (insbesondere Röntgenbilder) mitzubringen, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen, die die Kinder zusätzlich belasten könnten, zu vermeiden.
Sollte eine Operation nötig werden, ist diesen sowohl ambulant als auch stationär möglich und wird mit den Eltern und Patient abgestimmt. Für die Operation steht uns speziell geschultes Personal zur Verfügung, auch wird der kleine Patient in einem Zimmer untergebracht, in dem Mutter oder Vater ständig bei ihm sein können.